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14.02.2020 (HAZ) „Es sind die Stillen, auf die wir schauen müssen“

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„Es sind die Stillen, auf die wir schauen müssen“

Friederike Dushe, Vorsitzende des Verbandes der Schulpsychologen, hat beobachtet, dass auch schon Grundschulkinder Ängste und Depressionen haben

Hannover. In Niedersachsen leiden 29 000 Schulkinder unter Depressionen oder Angststörungen – das hat eine Studie im Auftrag der Krankenkasse DAK ergeben. Wie sollen sich Eltern verhalten, wenn ihre Kinder psychische Probleme haben? Woran erkennen sie das überhaupt? Fragen an Friederike Dushe, Psychologin aus Braunschweig. Sie leitet den Verband der Schulpsychologen in Niedersachsen. Die niedersächsische Schulpsychologie ist auch für die Ausbildung der Beratungslehrer zuständig.

Frau Dushe, haben Sie als Schulpsychologin auch eine Zunahme der seelischen Erkrankungen bei Schülern beobachtet?

Diese absolute Aussage ist umstritten, es gibt auch Experten, die die Steigerung auf eine andere Form der Messung zurückführen. Auffällig aber ist: Kinder haben schon in sehr viel jüngerem Alter, oft schon in der Grundschule, Ängste und Depressionen.

Worauf führen Sie das zurück?

Viele junge Eltern sind verunsichert und übertragen das manchmal auch unbewusst auf ihre Kinder, sie wollen alles richtig machen, nicht umsonst gibt es so viel Ratgeberliteratur. Alles soll perfekt sein, es gibt so eine Art Verpflichtung, ein glückliches, positives Leben zu führen, alles ist auf den Einzelnen ausgerichtet. Aber Eltern müssen im Minutentakt spontane Entscheidungen treffen, da kann man nicht noch lange im Voraus überlegen, ob das auch wirklich die beste Entscheidung ist. Man darf auch mal daneben liegen. Es geht eher um die Grundhaltung, Selbstaufgabe ist gar nicht nötig. Sichere Eltern, die auch mal einen Fehler machen, sind besser als unsichere Eltern, deren Angst auch die Kinder spüren.

Woran erkennen Eltern, ob ihre Kinder seelische Probleme haben? Gibt es so etwas wie Alarmsignale?

Eltern kennen ihre Kinder am besten. Wenn sich ein Kind sehr stark verändert, dann lohnt es sich, sich darum besonders zu kümmern. Kinder geben uns ziemlich gute Signale, wenn sie etwas bedrückt. Eltern müssen in Kontakt mit ihren Töchtern und Söhnen bleiben, selbst wenn die schon auf dem Weg zum Erwachsenwerden sind. Es ist besser, einmal zu viel zu fragen und zu nerven, als zu wenig. Echte Diagnosen können natürlich nur die Fachleute stellen, aber wenn es einem Kind wochenlang schlecht geht, sollten Eltern handeln und einen Arzt oder Psyhologen aufsuchen.

Verhalten sich Mädchen in solchen Fällen anders als Jungen, also werden die einen still und die anderen aggressiv?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen: Es gibt Kinder, die reagieren nach außen, laut, mit Regelverletzungen. Hier muss man aber genau hinschauen. Regelverletzungen und Grenzüberschreitungen sind generell nötig, um erwachsen zu werden. Ein Grundschulkind muss schon mal einen anderen Schulweg nehmen oder einen Abstecher zum Kiosk machen dürfen.

Und wie reagieren die Stillen?

Die ziehen sich häufig noch mehrzurück. Es sind gerade die Stillen, auf die wir besonders schauen müssen.

Woran liegt es, dass immer mehr Schüler seelische Probleme haben?

Auf den Gymnasien ist es oft der Leistungsdruck. Wir haben nur vier Jahre Grundschule, dann kommt schon der Wechsel auf die weiterführende Schule, das ist ein sehr früher Zeitpunkt, um so etwas zu entscheiden. Viele Eltern wählen den höchstmöglichen Schultyp, weil sie wollen, dass ihr Kind Abitur macht. Aber selbst wer an der Grundschule zu den leistungsstarken Schülern gehört hat, kommt nicht automatisch gut mit den Anforderungen am Gymnasium klar. Hier sind die Schultage lang, Unterricht geht oft bis in den Nachmittag hinein, eigenständiges Lernen ist gefragt.

Welchen Anteil tragen die neuen Medien an den seelischen Nöten der Kinder?

Ich sehe mit Sorge, dass viele Eltern den Umgang mit den digitalen Medien überhaupt nicht begrenzen. Selbst junge Grundschulkinder haben schon Smartphones und wissen nicht, dass man denen nicht nur mit kindlicher Neugier begegnen darf. Diese Geräte ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich, selbst wenn es nur Spiele sind. Ob Whatsapp, Instragram oder Youtube – für Kinder ist das, was in der virtuellen Welt geschieht, eine real gefühlte Welt. Was ist ein gutes Miteinander? In der virtuellen Welt verschwindet das.

Was können Eltern tun?

Einfach mal öfter die Kinder nehmen und mit ihnen nach draußen gehen, selbst wenn es Protest gibt. Und feste Zeiten haben, in denen man analog zusammenkommt und redet, zum Beispiel beim Abendessen.

Von Interview: Saskia Döhner



Quellenangabe: HAZ vom 14.02.2020, Seite 16

01.11.2019 (HAZ) Werte und Normen wird reguläres Fach – Freude bei Grundschuleltern

Der Vorstoß von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) trifft bei Eltern und Schulleitern in Hannover auf breite Zustimmung. Das sei längst überfällig, sagen sie.

Werte und Normen wird reguläres FachFreude bei Grundschuleltern

Der Vorstoß von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) trifft bei Eltern und Schulleitern in Hannover auf breite Zustimmung. Das sei längst überfällig, sagen sie.

Hannover. Der Vorstoß von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD), Werte und Normen ab 2025 als reguläres Fach für alle 1700 Grundschulen in Niedersachsen anzubieten, stößt bei Eltern und Schulleitern in Hannover auf breite Zustimmung.

„Endlich“, sagt Frank Post, Schulleiter der Grundschule Fuhsestraße in Leinhausen. Die Schule gehört zu den 40 Schulen landesweit, an denen noch bis Ende dieses Schuljahres ein entsprechender Modellversuch läuft. „Wir brauchen an unseren Schulen ein Angebot für Kinder, die entweder keiner Konfession oder nicht den christlichen Glaubensgemeinschaften angehören“, sagt Post. Denn deren Anteil wachse ständig. Es sei Zeit, dass Werte und Normen dem Religionsunterricht gleichgestellt werde. Schüler ohne Konfession müssten nicht mehr betreut werden, während andere Religionsunterricht hätten.

Auch Melanie Vitrani, Vorsitzende des Schulelternrates der Grundschule Am Stöckener Bach, die zu den Modellschulen der ersten Runde zählt, lobt den Plan Tonnes. So könnten sich auch nicht christliche Kinder an Grundschulen mit ethischen Fragen und den Weltreligionen befassen. „Es ist wichtig, dass Kinder wissen, warum wir bestimmte Feste wie Weihnachten oder Ostern feiern.“

Auch Schulleiterin Hille Wittenberg findet ethische Bildung im Primarbereich wichtig, bis 2025 müsse aber auch die Lehrerausbildung nachziehen. Bislang kann man Werte und Normen nur als Fach für weiterführende Schulen studieren, das müsse jetzt auf die Grundschulen ausgeweitet werden.

Ausgebildete Fachlehrer fehlen

Genau das hat Minister Tonne auch angekündigt. Zunächst sollen Lehrer weitergebildet werden, die dann später als Fachberater arbeiten könnten. Noch fehlen Schulbücher und verbindliche Lehrpläne für das Alternativfach, die müssen in den nächsten Jahren ebenfalls entwickelt werden. Schulleiterin Wittenberg plädiert dafür, das Material, das an den Modellschulen benutzt wurde, für die Übergangszeit über ein Portal allen anderen Grundschulen zur Verfügung zu stellen.

Auch beim Stadtelternrat freut man sich darüber, dass Werte und Normen jetzt ordentliches Unterrichtsfach wird. „Das ist als positiv und sinnvoll zu sehen, gerade vor dem Hintergrund, dass mehr konfessionslose oder nicht dem christlichen Glauben angehörende Kinder beschult werden“, schreiben die Vorstandsmitglieder Sonja Otto, Michael Jürgens und René Weiske. „In Werte und Normen können generelle Werte, die religionsübergreifend vorhanden sind, vermittelt werden. Dieses ist unserer schnelllebigen, fordernden, oft reizüberfluteten Welt als wichtig zu erachten, um das Fundament für ein gutes, friedliches Miteinander unabhängig von Nationalität, Konfession und so weiter früh zu legen.“

Auch der Landeselternrat lobt Tonnes Vorstoß. Zum einen wachse der Anteil konfessionsloser Schüler – laut Kultusministerium gehört bereits ein Viertel der Schüler keiner Glaubensgemeinschaft mehr an, 1985 waren es nur 6 Prozent. Zum anderen veränderten sich Wertevorstellungen in einer Gesellschaft ständig. Das Alternativfach könne Kindern Orientierungshilfe bieten, sagt Mike Finke, Vorsitzender des Landeselternrates.

Ethik für alle?

Hinter vorgehaltener Hand wird an vielen Grundschulen in der Stadt der Ruf nach einem gemeinsamen Ethikfach für alle Kinder einer Klasse statt nach Konfessionen getrennter Religionsunterricht laut. Die Abschaffung des Religionsunterricht ist laut Tonne aber nicht geplant. Religion oder ersatzweise Werte und Normen ist neben Sport das einzige Nebenfach, das Schüler von Klasse eins durchgehend bis Klasse 13 haben müssen und nicht abwählen können.

Erste landesweite Kinderkonferenz im Landtag und die GS Fuhsestraße war dabei!

08.06.2019 (HAZ) Im Landtag haben die Klassensprecher das Sagen

Erstmals haben sich die Kinderrechte-Grundschulen zu einer Konferenz getroffen. 120 Schüler von 55 Grundschulen haben gesagt, was ihnen wichtig ist.

Hannover. Warum bestimmen eigentlich die Eltern, wohin der Ausflug geht oder ob ihre Kinder Klavierspielen oder Fußball als Hobby haben sollen? Haben Kinder auch Pflichten? Es waren die großen philosophischen Fragen, die rund 120 Grundschüler bei der ersten landesweiten Kinderkonferenz im Landtag am Mittwoch diskutiert haben. Sie kamen von den 55 Kinderrechte-Grundschulen in Niedersachsen, zwölf Standorte aus der Stadt Hannover waren dabei, zehn weitere aus dem Umland.

An diesen Schulen dürfen Kinder mitbestimmen, das ist Basisdemokratie mit den Kleinsten. Es gibt Kinderkonferenzen, eine Art Schülervertretung, an denen alle Klassensprecher teilnehmen, die einzelnen Klassen treffen sich zum Klassenrat. Es geht um Konflikte in der Gruppe, Schulhofgestaltung, aber auch um Toilettenregeln.

Die Vernetzung der Kinderechte-Grundschulen ist für Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ein wichtiges politisches Ziel. Demokratie könne nicht früh genug gelernt werden, sagte er zur Eröffnung der Kinderkonferenz im Landtag. „Im Klassenzimmer wird geredet und gestritten, das ist nicht viel anders als im Parlament.“ Demokratie falle nicht vom Himmel und sei mehr, als alle vier oder fünf Jahre zur Wahl zu gehen und irgendwo sein Kreuz zu machen, sagte der Minister. Landtagspräsidentin Gabriele Andretta forderte die Kinder auf, mitzubestimmen und mitzumachen, nicht nur bei den Diskussionen während der Kinderkonferenz, sondern generell.

Initiator war das Netzwerk Demokratie von Anfang an in Kooperation mit der Regionalen Kinderkonferenz Hannover. „Wir machen das schon seit 1994“, sagte Behir Buhut, Sozialarbeiter an der Regenbogenschule in Seelze, „schön, dass wir jetzt endlich eine landesweite Kinderkonferenz haben.“

In den Workshops ging es um Themen wie Freiheit und Kinderrechte, aber auch um Inklusion, Toleranz und Umweltschutz. Die Kinder diskutierten unter sich, Lehrer blieben dabei außen vor. Im Plenum wurden anschließend die wichtigsten Forderungen vorgetragen. In der Gruppe, die sich um Klimaschutz kümmerte, waren Plastik- und Müllvermeidung, aber genügend Raum für Tiere und Pflanzen die Favoriten.

Lehrerin Andrea Franke-Böckmann von der Grundschule Klint in Braunschweig wünscht sich, dass Demokratiebildung ein echtes Unterrichtsfach an den Grundschulen wird. „Wir brauchen dafür Zeit“, sagt die 46-Jährige. Elke Rüffer (58) von der Adolf-Grimme-Schule in Barsinghausen unterstützt diese Forderung: „Ich mache die Kinderkonferenz in der Pause, anders geht es nicht, Unterricht darf dafür ja nicht ausfallen.“ Wenn das Thema so wichtig sei, müsse das Land dem auch im Lehrplan den gebührenden Platz einräumen, meinen die Pädagoginnen.

Die Kinder wünschten sich keine utopischen Sachen wie eine Woche Unterrichtsausfall, sondern hätten konkrete Anliegen wie Abhilfe schaffen, wenn der Sportunterricht ausfällt, die Toiletten verschmutzt werden, sich Familien den Klassenausflug nicht leisten könnten oder auf dem Schulhof zu viel Beton sei.

10.09.2019 (HAZ) „Grundschuleltern wollen Kontinuität“

Hannover. Klassen, die plötzlich geteilt werden müssen, ein Mathematiklehrerwechsel nach ein paar Monaten, verbindliche Nachmittagsangebote, die kurzfristig abgesagt werden müssen – der von der Bertelsmann Stiftung prognostizierte dramatische Lehrermangel sei in den Grundschulen längst angekommen, sagt Landeselternratsvorsitzender Mike Finke. „Eltern wünschen sich Kontinuität, doch an der hapert es oft, weil die Lehrer fehlen.“ Es seien kreative, flexible Lösungen gefragt, um kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Finke wirbt dafür, dass sich die Schulen auch Nichtlehrern öffnen. So könnten etwa Museumspädagogen oder Waldpädagogen, unterstützt von Grundschullehrern, auch an außerschulischen Lernorten Kindern Wissenswertes vermitteln.

Auch Eltern seien bereit, sich zu engagieren, sagt Finke. „Eltern wollen keinen Kuchen backen oder Kaffee ausschenken, mit dieser Rolle geben sie sich schon lange nicht mehr zufrieden.“ Er nennt Beispiele aus Gifhorn und Salzgitter, wo Grundschuleltern als Pausenaufsichten oder beim Lesenlernen helfen. Es gebe auch Eltern, die Klassen mit zum Schwimmunterricht begleiteten, um den Kindern hinterher die Haare zu föhnen. „Das ist ja nun wirklich keine Lehreraufgabe.“

Den dramatischen Pädagogenmangel können Schulleiter in der Region Hannover bislang nicht bestätigen. Die Unterrichtsversorgung sei eigentlich gut, heißt es. Da Grundschulen laut Schulgesetz verlässlich sind und Kinder täglich zwischen 8 und 13 Uhr betreuen müssen, würden Eltern Unterrichtsausfall oft gar nicht wirklich mitbekommen, heißt es vonseiten des Stadtelternrates. Da springe für die erkrankte Lehrerin dann eben ein pädagogischer Mitarbeiter ein oder da werde der Musikunterricht eben nicht von ausgebildeten Musiklehrern erteilt.

Frank Post, Rektor der Grundschule Fuhsestraße, warnt davor, Lücken an Grundschulen zunehmend mit Quereinsteigern oder Gymnasiallehrkräften zu füllen, denn diese seien für die Arbeit mit Erst- bis Viertklässlern nicht ausgebildet. Laura Pooth, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, spricht gar von „Grundschulen ohne Grundschullehrer“. Niedersachsen müsse die Bezahlung von Grund-, Haupt- und Realschullehrern endlich auf das Niveau der anderen Schulformen anheben. Auch Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte fordert die schnelle Höherstufung auf A 13. Eine Dorflehrerprämie, wie sie Kultusminister Grant Hendrik Tonne in fünf Modellregionen einführen will, sei rechtlich unsicher und für Nachwuchskräfte nicht attraktiv.

08.03.2019 (HAZ) Kehrtwende bei Schulsozialarbeit

Stadt nimmt geplante Streichungen nach Protest zurück / An Problemschulen sollten Stellen wegfallen

An fünf Problemschulen in Hannover sollten nach der Planung der Stadt Sozialarbeiterstellen gestrichen werden. Doch nach massivem Protest der Schulen sowie von Eltern, Gewerkschaften und Politikern rückt die Verwaltung von dem Plan ab. „Wir haben uns von den vorgebrachten Argumenten überzeugen lassen“, sagt Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski gegenüber der HAZ. Die 340 000 Euro, die man entgegen der Planung nun doch für die Sozialarbeiter bereitstellen muss, sollen jetzt anderweitig eingespart werden.

2015 hatte der Rat der Stadt Hannover beschlossen, dass die Verwaltung im Rahmen der Haushaltskonsolidierung Personalkosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro einsparen soll. Das habe natürlich auch für den Fachbereich Jugend und Familie gegolten, sagt Rzyski. Man sei der Meinung gewesen, dass die Stadt an den Schulen, an denen bereits Schulsozialarbeiter im Landesdienst tätig seien, ihre Mitarbeiter abziehen könne. Man habe aber eingesehen, dass Sozialarbeiter der Stadt und die im Landesdienst zwei getrennte Stränge seien und unterschiedliche Aufgaben übernähmen. Die kommunalen Sozialarbeiter kümmerten sich eher um Lebensstrategien und begleiteten Kinder im Heranwachsen, während die Landessozialarbeiter vor allem die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht im Blick hätten.

Laut Plan hätten an den Grundschulen Alemannstaße (Vahrenwald), Beuthener Straße (Mittelfeld), Fichteschule (Hainholz), Fuh- sestraße (Leinhausen) und Am Stöckener Bach (Stöcken) die Sozialarbeiterstellen gestrichen werden sollen.

Die Grundschuleltern reagierten zunächst schockiert auf die Sparpläne: „Das hat uns sehr getroffen“, sagt Martin Tunaj, Schulelternratsvorsitzender an der Grundschule Fuhsestraße. In ihrer siebenjährigen Tätigkeit habe die städtische Schulsozialarbeiterin sehr viel Vertrauen aufgebaut, das wirke bis in den Stadtteil hinein. Auch Carsten Rühe, Elternvertreter im Schulvorstand der Fichteschule, betont: „Die Arbeit des Schulsozialarbeiters hört nicht am Schultor auf.“Es sei ganz viel Kommunikation und Beziehungsarbeit mit den Kindern und Eltern. Auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kam erst scharfe Kritik. Der Bildungsbereich müsse vom Spardiktat ausgenommen werden, fordert GEW-Kreisvorsitzender Harald Haupt.

Schulpolitiker aus allen Parteien sind sich einig, dass die Schulen in ärmeren Stadtteilen weiterhin auch auf städtische Sozialarbeiter angewiesen sind.

25.09.2018 (NP) Plan für Ganztagsbetreuung

HANNOVER. Das Betreuungsangebot für Grundschulkinder in den Ganztagsschulen bündeln, die schulergänzende Betreuung wie Horte zurückfahren: Das ist das Ziel der sogenannten Qualitätsoffensive bei der Kinder-Grundschulbetreuung, wie sie die Stadtverwaltung für Hannover gern einführen möchte – auf Be­schluss von Rot-Grün aus dem Jahr 2015.

Doch mit der konkreten Umsetzung dauert es noch, ein gestern im Jugendhilfeausschuss vorgelegter Stufenplan, wann und wie das Betreuungsangebot an Grundschulen umgewandelt wird, wurde von der Gruppe Piraten/Linke in die Fraktion gezogen – Beratungsbedarf. Der Plan kann jetzt frühestens in vier Wochen verabschiedet werden.

Das Konzept sieht vor, die vorhandenen außerschulischen Betreuungsangebote zunächst an bereits bestehenden Ganztagsgrundschulen im Sinne der Qualitätsoffensive am Standort zu bündeln. In einem zweiten Schritt sind dann frühzeitige Planungsgespräche mit den Grundschulen geplant, die beabsichtigen, in die Ganztagsbetreuung zu gehen, und be­reits außerschulische Ange­bote vorhalten.

Laut Verwaltung sind in 16 Ganztagsgrundschulen 25 außerschulische Gruppen mit 484 Plätzen untergebracht. Der jährliche Aufwand durch die Stadt für die Betriebsführung beläuft sich auf knapp 1,7 Millionen Euro. Mittelfristig plant die Stadt ab 2020 die bauliche Umsetzung von sieben weiteren Ganztagsschulen. Dort gibt es zurzeit 19 außerschulische Gruppen mit 364 Plätzen. Hier zahlt die Stadt jährlich gut 1,12 Millionen Euro für die Betriebsführung.

Seit 2016 läuft bereits die Umwandlung von Hortplätzen zugunsten von Krippen-und Kindergartenplätzen. Einschließlich der bekannten Planungen will die Stadt bis Ende 2019 aus 428 Hortplätzen 157 Krippen- und 124 Kindergartenplätze gemacht haben. Die Verwaltung rechnet dadurch mit tatsächlichen und fiktiven Einsparungen von mehr als zwölf Millionen Euro.

30.08.2018 (NP) Er ist einer der wenigen Grundschullehrer in Hannover

Erst langsam ändert sich was: Seit Jahren liegen die Zahlen der männlichen Erzieher und Grundschullehrer deutlich hinter den Zahlen der Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen zurück. Waren es im Schuljahr 2013/14 noch 2014 Männer gewesen, stieg die Zahl zum Schuljahr 2017/18 auf 2135 an. Da die Zahl der Lehrer insgesamt stieg, blieb der Anteil der Männer in den Kollegien allerdings bei 10,2 Prozent.

Einer von ihnen ist Jakob Germer. Der 30-Jährige ist Klassenlehrer an der Grundschule Fuhsestraße in Stöcken. Neben ihm gibt es 21 Lehrerinnen und vier weitere Männer: den Schulleiter, einen Sonderpädagogen, den Hausmeister und einen Lehrer in Teilzeit. Dass Germer mal in einer Grundschule unterrichten würde, war nicht immer klar: „Eigentlich wollte ich Sport und etwas Technisches miteinander verbinden.“ Dann verletzte er sich und konnte den Wunschstudiengang nicht belegen. So kam der Lehrerberuf ins Spiel.

Mit Kindern hatte Germer immer gern gearbeitet, er hatte früher Nachhilfe gegeben: „Ich habe Lehramt auf Realschule studiert, mich hat aber auch das Grundschullehramt immer interessiert.“ Eine Kampagne für männliche Grundschullehrer an der Uni brachte dann die Entscheidung, während des Studiums in das Grundschullehramt zu wechseln.

Germer hatte früher selber einen männlichen Grundschullehrer: „Ich fand das gut. Das Rollenverständnis wandelt sich. Immer mehr Väter gehen in Elternzeit. Aber es gibt auch viele alleinerziehende Mütter. Für Kinder ist es wichtig, dass auch Männer eine erzieherische Rolle spielen.“ Die Kinder merken, dass ein Mann nicht typisch an der Schule ist: „Sie wollen dann manchmal ihre Muckis zeigen oder Kräfte messen. Das würden sie bei einer Lehrerin wahrscheinlich weniger machen.“

Oft wird der Lehrer ge­fragt, ob er mit Fußball spielen würde: „Das mache ich eher selten, da ich in der Pause entweder für die Aufsicht verantwortlich oder im Lehrerzimmer bin.“ Und im Sportunterricht? „Da geht es primär darum, den Kindern andere Sportarten bekannt zu machen.“ Negative Erfahrungen hat er in seiner Berufslaufbahn nicht gemacht. Eher im Gegenteil: „Ich wurde nie mit irgendwelchen Vorurteilen konfrontiert. Die Mütter haben vollkommen normal auf meine Anstellung reagiert. Und auch das Kollegium hat sich gefreut.“

Trotzdem wünscht er sich mehr männliche Kollegen an der Schule. Das dürfe aber nicht zwanghaft geschehen, betont Germer. Das Problem der mangelnden männlichen Kollegen sieht er vor allem im finanziellen Aspekt: „Viele Männer wollen Karriere ma­chen oder bringen auch heute noch das Geld allein nach Hause. Da ist der Job als Grundschullehrer finanziell gesehen nicht sehr attraktiv“, weiß er. Für ihn sei es dagegen vor allem wichtig, dass er Spaß an seinem Beruf hat. Und den habe er.