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65 „Zukunftsschulen" starten in fünfjähriges Modellprojekt zur nachhaltigen Schulentwicklung


Tonne: „Schulen brauchen Freiheiten, um sich innovativ entwickeln zu können" - 65 „Zukunftsschulen" starten in fünfjähriges Modellprojekt zur nachhaltigen Schulentwicklung


In Niedersachsen gehen die „Zukunftsschulen" an den Start: Kultusminister Grant Hendrik Tonne begrüßte die am Modellprojekt teilnehmenden 65 Schulen heute im Rahmen einer Onlineveranstaltung und warb um Kreativität und Innovationsgeist in der Schulentwicklung. Die zweitägige Eröffnungsveranstaltung zu den niedersächsischen Zukunftsschulen werden von Impulsvorträgen des österreichischen Erziehungswissenschaftlers Professor Dr. Michael Schratz und Margret Rasfeld, Mitbegründerin der Initiative „Schule im Aufbruch", inhaltlich bereichert. Zudem stehen Arbeiten in kleineren Foren auf dem Programm der „Zukunftsschulen".

 

Tonne sagte in Richtung der rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus den „Zukunftsschulen": „Schulen brauchen Freiheiten, um sich innovativ entwickeln zu können. Diese Freiheiten geben wir mit dem Modellprojekt Zukunftsschulen", so der Kultusminister.

 

Es sei die Aufgabe von Schule, zukunftsfähige Bildungsansätze zu entwickeln und zu gestalten. Schule müsse ein demokratischer Ort sein, an dem Verantwortung, Solidarität und ein friedliches Miteinander gelebt und gelernt werden könne. Tonne: „Mit dem Modellprojekt Zukunftsschule haben wir einen bildungspolitischen Rahmen geschaffen, in dem aus Visionen Wirklichkeit werden kann. Ich bedanke mich bei Ihnen, dass Sie diesen Weg gehen und damit wichtige Impulse für eine nachhaltige Schulentwicklung setzen. Dafür geben wir Ihnen die notwendigen pädagogischen Freiräume und fördern Ihr Engagement bei der Schulentwicklung über das Beratungs- und Unterstützungssystem sowie das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung."

 

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat unterschiedliche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um den Schulen in Niedersachsen nachhaltige, innovative und demokratiefördernde Elemente in der Schulentwicklung zu ermöglichen. So leitet sich das Modellprojekt „Zukunftsschulen" ab aus dem Dialogprozess „Bildung 2040" und steht unter dem Dach der „Initiative demokratisch gestalten".  Im neuen Schuljahr gelten zwei neue Erlasse zur Stärkung der Demokratiebildung und der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Schülerinnen und Schüler sollen stärker darauf vorbereitet werden, sich als mündige Bürgerinnen und Bürger aktiv, kritisch und selbstreflexiv in demokratische Aushandlungsprozesse einzubringen. Zudem soll ein konkretes Verständnis von Demokratiebildung vermittelt und Perspektiven aufzeigt werden, wie ein demokratischer und an Nachhaltigkeit orientierter Schulentwicklungsprozess in Unterrichts- und Schulkultur fest verankert werden kann. Partizipation, Teilhabe und Engagement aller Beteiligten in Schule sollen gestärkt werden. Selbstbestimmtes und zukunftsorientiertes Lernen in Niedersachsen regt zur kritischen und konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Leben in einer globalisierten Welt an. Die Stärkung von Kinderrechten im Schullalltag ist ein weiterer prägender Leitgedanke der schulischen Innovationsvorhaben in Niedersachsen.

 

Die 65 „Zukunftsschulen" bilden alle Schulformen ab und sind in allen Landesteilen vertreten. Im Vorfeld mussten sich Schulen mit konkreten Modellvorhaben bewerben und ihre Bereitschaft erklären, fünf Jahre an dem Modellprojekt mitzuwirken. Zudem war wichtig, dass die gesamte Schulgemeinschaft den Prozess mitträgt, so dass die Gesamtkonferenz und der Schulvorstand, in welchem auch Schülerinnen und Schüler sowie Erziehungsberechtigte vertreten sind, der Teilnahme zustimmen mussten. Zudem ist vorgesehen, dass die Schulen mit außerschulischen Initiativen kooperieren. Eine wissenschaftliche Evaluation und Begleitung erfolgt, um wichtige Erkenntnisse zu gewinnen für den späteren Transfer innovativer Ansätze in die Fläche. Das Niedersächsische Kultusministerium hat die Schulen auf Grundlage ihrer Bewerbungen ausgewählt.

 

Tonne: „Der Wille sich weiterzuentwickeln, muss von innen herauskommen, aus den Schulen selbst.  Innovation und Kreativität lassen sich nicht aus einem Ministerium heraus verordnen. Aber: Wir können und wir wollen unterstützen und neue pädagogische Ansätze fördern. Schulen, die sich auf den Weg machen, können weiterhin auf meine Unterstützung zählen."

 


Die „Zukunftsschulen in Niedersachsen" im Überblick:

 

1.     BBS Berufsbildende Schulen des Landkreises Hameln-Pyrmont (Elisabeth-Selbert-Schule)

2.     BBS Ammerland

3.     Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim

4.     IGS Garbsen

5.     Leonore-Goldschmidt-Schule Hannover

6.     IGS Flötenteich Oldenburg

7.     IGS Kreyenbrück Oldenburg

8.     IGS Oyten

9.     Ernst-Reuter-Schule KGS Pattensen

10.   Albert-Einstein-Gymnasium Hameln

11.   Gymnasium Winsen

12.   Kapitän-Koldewey-Grundschule Bücken

13.   Ottfried-Preußler-Grundschule Hannover

14.   GS Kreyenbrück Oldenburg

15.   GS Steinkirchen

16.   Hinrich-Wolff-Grundschule Bergen

17.   OBS Berenbostel Garbsen

18.   Oberschule Eversten Oldenburg

19.   Verdener Campus

20.   Realschule Süd-Buxtehude

21.   BBS Stadthagen

22.   BBS Melle

23.   BBS Buchholz

24.   IGS Edemissen

25.   IGS Badenstedt Hannover

26.   IGS Langenhagen

27.   IGS Bramsche

28.   IGS Rotenburg Wümme  

29.   KGS Bad Münder

30.   KGS Moringen

31.   Tellkampfschule Hannover

32.   Hümmling-Gymnasium Sögel

33.   Halepaghen-Schule Buxtehude

34.   GS Fuhsestraße Hannover

35.   GS Wettbergen Hannover

36.   GS Moorriem Elsfleth

37.   Oberschule Bodenwerder

38.   Oberschule Weener

39.   Schule am Katzenberg Adendorf

40.   BBS II Nordheim

41.   BBS Lingen

42.   BBS Osterholz-Scharmbeck

43.   Berufsbildende Schulen I Uelzen

44.   IGS Isernhagen

45.   IGS Obernkirchen

46.   IGS Südstadt Hannover

47.   Herman Frey Gesamtschule Dissen

48.   Gaußschule Braunschweig

49.   Viktoria-Luise-Gymnasium Hameln

50.   Herbartgymnasium Oldenburg

51.   Grundschule Kirchohsen

52.   Albert-Schweitzer-Schule Hannover

53.   Grundschule am Rosenbusch Hessisch Oldendorf

54.   Grundschule Neuenkirchen Neuenkirchen-Vörden

55.   Pestalozzi-Oberschule Hannover

56.   Johannes-Vincke-Schule Belm

57.   Schulzentrum Lohne Wietmarschen

58.   OBS Celle 1

59.   Realschule Pro Mint Stade

60.   Alexanderschule Wallenhorst

61.   Stader Privatschule

62.   Herman-Nohl-Schule Osnabrück

63.   GS Vorbrück*   

64.   GS Buchholz*

65.   GS Bothmer*

(*Zusammenschluss von drei Schulen mit einem Projektantrag)

24.09.2021 (NP) Ein Preis fürs Schulessen

Mahlzeiten von lokalen Caterern mit regionalen Produkten: Ab 2023 soll das Schulessen zudem an allen Einrichtungen preislich identisch sein.

Hannover. Ein Vater mit drei kleinen Kindern an der Grundschule Fuhsestraße bringt es auf der Sitzung des Schulausschusses auf den Punkt: Pro Mahlzeit und pro Kind werden täglich 4,50 Euro fällig – 67,50 Euro pro Woche und 270 Euro pro Monat. „Das ist auch für Normaleinkommen schwer zu stemmen und kein Geringverdienerproblem mehr“, sagt der dreifache Vater. Schuldezernentin Rita Maria Rzyski pflichtet ihm bei – das Schulessen sei zu teuer und preislich nicht einheitlich. „Im laufenden Haushalt werden wir daran nichts ändern können. Aber ab 2023 sollen die Preise für das Schulessen in den Einrichtungen identisch sein“, betonte die Dezernentin.

Bereits im Sommer hatten Grüne, SPD und FDP die Verwaltung aufgefordert, das Mittagessenangebot an den hannoverschen Schulen mit einer zeitnahen, gebündelten Befragung der Zuständigen in den Schulen sowie den Schülerinnen und Elternvertreterinnen zu evaluieren. Dabei sollen auch die Gründe für die Preisunterschiede bei den Mahlzeiten deutlich gemacht werden. sus

08.09.2021 (HAZ) Recht auf Ganztag am 2026

Recht auf Ganztag in Grundschulen ab 2026 – aber gibt es genug Erzieher?

Bundestag beschließt Kompromiss / Für die Umsetzung werden 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt / Hannovers Schuldezernentin Rzyski pocht auf Qualitätsstandards

Hannover. Politiker und Bildungsexperten in Niedersachsen begrüßen den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen ab Sommer 2026. Diesen hat der Bundestag gestern in Berlin beschlossen. Am Vorabend hatten sich Bund und Länder im Vermittlungsausschuss auf die Finanzierung geeinigt. Allerdings sehen Experten deutliche Probleme bei der Umsetzung. Es fehlten vor allem Geld und ausreichendes Personal für die Ganztagsschulen.

So sagte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag: „Die Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder begrüße ich als bildungs- und familienpolitische Maßnahme ausdrücklich. Wir werden jetzt gemeinsam mit den Schulen und Schulträgern die Umsetzung planen. Niedersachsen als Ganztagsschulland hat dafür sehr gute Voraussetzungen. Die Umsetzung mit der Perspektive 2026 wird aber auch für uns eine große Herausforderung.“

„Ich habe Zweifel daran, dass es gelingen wird, den Anspruch mit einem qualitätsvollen Ganztag wirklich umzusetzen“, sagt Björn Försterling, Schulexperte der FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag. Es seien viele pädagogische Fachkräfte nötig, nicht nur Lehrkräfte, sondern auch Erzieherinnen und Erzieher – aber die seien gerade Mangelware, meinte Försterling. Den Erziehermangel sieht auch die CDU-Landtagsabgeordnete Mareike Wulf als größte Herausforderung. Sie sagt aber auch, dass der Bund den Ländern noch mehr Geld zur Verfügung stellen müsse.

Der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag hatte am Montag beschlossen, dass jedes Kind, das ab dem Sommer 2026 neu in die Schule kommt, einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an der Grundschule hat.

Der Kompromiss sieht vor, dass sich der Bund mit einer Quote von bis zu 70 Prozent an den Investitionskosten beteiligt. Ursprünglich wollte er nur die Hälfte der Kosten übernehmen. Zudem wird auch der Erhalt bestehender Betreuungsplätze gefördert und nicht nur die Schaffung neuer Angebote. Insgesamt will der Bund bis zu 3,5 Milliarden Euro für die Umsetzung des Rechtsanspruchs bereitstellen.

Für den Landtagsabgeordneten Stefan Politze (SPD) sind die 3,5 Milliarden des Bundes „ein guter Anfang“. Niedersachsen müsse nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel für die Investitionskosten 150 Millionen Euro zuschießen, vom Bund kämen 350 Millionen Euro. Es sei auch gut, dass der Bund sich an den Betriebskosten beteilige, so bekomme das Land noch einmal 130  Millionen Euro. In den Jahren 2027 und 2030 wollen Bund und Länder das Projekt evaluieren.

Landeselternratschef Michael Guder bezeichnet den Rechtsanspruch als eine „gute Nachricht“, die allerdings viel zu spät komme. Bis dahin müssten berufstätige Eltern noch eine lange Durststrecke überbrücken. Entscheidend sei jetzt, wie der Rechtsanspruch umgesetzt werde, ob es bürokratische Hürden gebe oder nicht.

Nach Angaben von Hannovers Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski wird Hannover den Rechtsanspruch erfüllen. Mit Ganztagsschulen, Horten und Elterninitiativen habe die Landeshauptstadt schon jetzt eine Ganztagsquote von 85 Prozent. Es sei höchste Zeit, dass die Betreuungslücke für Eltern geschlossen werde. Während Kinder in der Krippe und im Kindergarten bis zum späten Nachmittag betreut seien, ergäben sich mit der Einschulung noch häufig Betreuungsprobleme.

Hannover orientiere sich bei der Ganztagsbetreuung am Qualitätsstandard des Horts. Wer den ganzen Tag in der Schule verbringe, brauche Platz. Mindestens ein großer Freizeitbereich und ein Rückzugsraum pro Jahrgang seien notwendig, sagt Rzyski, zudem Mensa und Turnhalle. Ein hochwertiger Ganztag koste Personal und Geld. Betreuung und Lernen müssten in einem Haus gleichberechtigt stattfinden, sagt der hannoversche Grundschulleiter Frank Post.

14.02.2020 (HAZ) „Es sind die Stillen, auf die wir schauen müssen“

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„Es sind die Stillen, auf die wir schauen müssen“

Friederike Dushe, Vorsitzende des Verbandes der Schulpsychologen, hat beobachtet, dass auch schon Grundschulkinder Ängste und Depressionen haben

Hannover. In Niedersachsen leiden 29 000 Schulkinder unter Depressionen oder Angststörungen – das hat eine Studie im Auftrag der Krankenkasse DAK ergeben. Wie sollen sich Eltern verhalten, wenn ihre Kinder psychische Probleme haben? Woran erkennen sie das überhaupt? Fragen an Friederike Dushe, Psychologin aus Braunschweig. Sie leitet den Verband der Schulpsychologen in Niedersachsen. Die niedersächsische Schulpsychologie ist auch für die Ausbildung der Beratungslehrer zuständig.

Frau Dushe, haben Sie als Schulpsychologin auch eine Zunahme der seelischen Erkrankungen bei Schülern beobachtet?

Diese absolute Aussage ist umstritten, es gibt auch Experten, die die Steigerung auf eine andere Form der Messung zurückführen. Auffällig aber ist: Kinder haben schon in sehr viel jüngerem Alter, oft schon in der Grundschule, Ängste und Depressionen.

Worauf führen Sie das zurück?

Viele junge Eltern sind verunsichert und übertragen das manchmal auch unbewusst auf ihre Kinder, sie wollen alles richtig machen, nicht umsonst gibt es so viel Ratgeberliteratur. Alles soll perfekt sein, es gibt so eine Art Verpflichtung, ein glückliches, positives Leben zu führen, alles ist auf den Einzelnen ausgerichtet. Aber Eltern müssen im Minutentakt spontane Entscheidungen treffen, da kann man nicht noch lange im Voraus überlegen, ob das auch wirklich die beste Entscheidung ist. Man darf auch mal daneben liegen. Es geht eher um die Grundhaltung, Selbstaufgabe ist gar nicht nötig. Sichere Eltern, die auch mal einen Fehler machen, sind besser als unsichere Eltern, deren Angst auch die Kinder spüren.

Woran erkennen Eltern, ob ihre Kinder seelische Probleme haben? Gibt es so etwas wie Alarmsignale?

Eltern kennen ihre Kinder am besten. Wenn sich ein Kind sehr stark verändert, dann lohnt es sich, sich darum besonders zu kümmern. Kinder geben uns ziemlich gute Signale, wenn sie etwas bedrückt. Eltern müssen in Kontakt mit ihren Töchtern und Söhnen bleiben, selbst wenn die schon auf dem Weg zum Erwachsenwerden sind. Es ist besser, einmal zu viel zu fragen und zu nerven, als zu wenig. Echte Diagnosen können natürlich nur die Fachleute stellen, aber wenn es einem Kind wochenlang schlecht geht, sollten Eltern handeln und einen Arzt oder Psyhologen aufsuchen.

Verhalten sich Mädchen in solchen Fällen anders als Jungen, also werden die einen still und die anderen aggressiv?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen: Es gibt Kinder, die reagieren nach außen, laut, mit Regelverletzungen. Hier muss man aber genau hinschauen. Regelverletzungen und Grenzüberschreitungen sind generell nötig, um erwachsen zu werden. Ein Grundschulkind muss schon mal einen anderen Schulweg nehmen oder einen Abstecher zum Kiosk machen dürfen.

Und wie reagieren die Stillen?

Die ziehen sich häufig noch mehrzurück. Es sind gerade die Stillen, auf die wir besonders schauen müssen.

Woran liegt es, dass immer mehr Schüler seelische Probleme haben?

Auf den Gymnasien ist es oft der Leistungsdruck. Wir haben nur vier Jahre Grundschule, dann kommt schon der Wechsel auf die weiterführende Schule, das ist ein sehr früher Zeitpunkt, um so etwas zu entscheiden. Viele Eltern wählen den höchstmöglichen Schultyp, weil sie wollen, dass ihr Kind Abitur macht. Aber selbst wer an der Grundschule zu den leistungsstarken Schülern gehört hat, kommt nicht automatisch gut mit den Anforderungen am Gymnasium klar. Hier sind die Schultage lang, Unterricht geht oft bis in den Nachmittag hinein, eigenständiges Lernen ist gefragt.

Welchen Anteil tragen die neuen Medien an den seelischen Nöten der Kinder?

Ich sehe mit Sorge, dass viele Eltern den Umgang mit den digitalen Medien überhaupt nicht begrenzen. Selbst junge Grundschulkinder haben schon Smartphones und wissen nicht, dass man denen nicht nur mit kindlicher Neugier begegnen darf. Diese Geräte ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich, selbst wenn es nur Spiele sind. Ob Whatsapp, Instragram oder Youtube – für Kinder ist das, was in der virtuellen Welt geschieht, eine real gefühlte Welt. Was ist ein gutes Miteinander? In der virtuellen Welt verschwindet das.

Was können Eltern tun?

Einfach mal öfter die Kinder nehmen und mit ihnen nach draußen gehen, selbst wenn es Protest gibt. Und feste Zeiten haben, in denen man analog zusammenkommt und redet, zum Beispiel beim Abendessen.

Von Interview: Saskia Döhner



Quellenangabe: HAZ vom 14.02.2020, Seite 16

01.11.2019 (HAZ) Werte und Normen wird reguläres Fach – Freude bei Grundschuleltern

Der Vorstoß von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) trifft bei Eltern und Schulleitern in Hannover auf breite Zustimmung. Das sei längst überfällig, sagen sie.

Werte und Normen wird reguläres FachFreude bei Grundschuleltern

Der Vorstoß von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) trifft bei Eltern und Schulleitern in Hannover auf breite Zustimmung. Das sei längst überfällig, sagen sie.

Hannover. Der Vorstoß von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD), Werte und Normen ab 2025 als reguläres Fach für alle 1700 Grundschulen in Niedersachsen anzubieten, stößt bei Eltern und Schulleitern in Hannover auf breite Zustimmung.

„Endlich“, sagt Frank Post, Schulleiter der Grundschule Fuhsestraße in Leinhausen. Die Schule gehört zu den 40 Schulen landesweit, an denen noch bis Ende dieses Schuljahres ein entsprechender Modellversuch läuft. „Wir brauchen an unseren Schulen ein Angebot für Kinder, die entweder keiner Konfession oder nicht den christlichen Glaubensgemeinschaften angehören“, sagt Post. Denn deren Anteil wachse ständig. Es sei Zeit, dass Werte und Normen dem Religionsunterricht gleichgestellt werde. Schüler ohne Konfession müssten nicht mehr betreut werden, während andere Religionsunterricht hätten.

Auch Melanie Vitrani, Vorsitzende des Schulelternrates der Grundschule Am Stöckener Bach, die zu den Modellschulen der ersten Runde zählt, lobt den Plan Tonnes. So könnten sich auch nicht christliche Kinder an Grundschulen mit ethischen Fragen und den Weltreligionen befassen. „Es ist wichtig, dass Kinder wissen, warum wir bestimmte Feste wie Weihnachten oder Ostern feiern.“

Auch Schulleiterin Hille Wittenberg findet ethische Bildung im Primarbereich wichtig, bis 2025 müsse aber auch die Lehrerausbildung nachziehen. Bislang kann man Werte und Normen nur als Fach für weiterführende Schulen studieren, das müsse jetzt auf die Grundschulen ausgeweitet werden.

Ausgebildete Fachlehrer fehlen

Genau das hat Minister Tonne auch angekündigt. Zunächst sollen Lehrer weitergebildet werden, die dann später als Fachberater arbeiten könnten. Noch fehlen Schulbücher und verbindliche Lehrpläne für das Alternativfach, die müssen in den nächsten Jahren ebenfalls entwickelt werden. Schulleiterin Wittenberg plädiert dafür, das Material, das an den Modellschulen benutzt wurde, für die Übergangszeit über ein Portal allen anderen Grundschulen zur Verfügung zu stellen.

Auch beim Stadtelternrat freut man sich darüber, dass Werte und Normen jetzt ordentliches Unterrichtsfach wird. „Das ist als positiv und sinnvoll zu sehen, gerade vor dem Hintergrund, dass mehr konfessionslose oder nicht dem christlichen Glauben angehörende Kinder beschult werden“, schreiben die Vorstandsmitglieder Sonja Otto, Michael Jürgens und René Weiske. „In Werte und Normen können generelle Werte, die religionsübergreifend vorhanden sind, vermittelt werden. Dieses ist unserer schnelllebigen, fordernden, oft reizüberfluteten Welt als wichtig zu erachten, um das Fundament für ein gutes, friedliches Miteinander unabhängig von Nationalität, Konfession und so weiter früh zu legen.“

Auch der Landeselternrat lobt Tonnes Vorstoß. Zum einen wachse der Anteil konfessionsloser Schüler – laut Kultusministerium gehört bereits ein Viertel der Schüler keiner Glaubensgemeinschaft mehr an, 1985 waren es nur 6 Prozent. Zum anderen veränderten sich Wertevorstellungen in einer Gesellschaft ständig. Das Alternativfach könne Kindern Orientierungshilfe bieten, sagt Mike Finke, Vorsitzender des Landeselternrates.

Ethik für alle?

Hinter vorgehaltener Hand wird an vielen Grundschulen in der Stadt der Ruf nach einem gemeinsamen Ethikfach für alle Kinder einer Klasse statt nach Konfessionen getrennter Religionsunterricht laut. Die Abschaffung des Religionsunterricht ist laut Tonne aber nicht geplant. Religion oder ersatzweise Werte und Normen ist neben Sport das einzige Nebenfach, das Schüler von Klasse eins durchgehend bis Klasse 13 haben müssen und nicht abwählen können.

Erste landesweite Kinderkonferenz im Landtag und die GS Fuhsestraße war dabei!

08.06.2019 (HAZ) Im Landtag haben die Klassensprecher das Sagen

Erstmals haben sich die Kinderrechte-Grundschulen zu einer Konferenz getroffen. 120 Schüler von 55 Grundschulen haben gesagt, was ihnen wichtig ist.

Hannover. Warum bestimmen eigentlich die Eltern, wohin der Ausflug geht oder ob ihre Kinder Klavierspielen oder Fußball als Hobby haben sollen? Haben Kinder auch Pflichten? Es waren die großen philosophischen Fragen, die rund 120 Grundschüler bei der ersten landesweiten Kinderkonferenz im Landtag am Mittwoch diskutiert haben. Sie kamen von den 55 Kinderrechte-Grundschulen in Niedersachsen, zwölf Standorte aus der Stadt Hannover waren dabei, zehn weitere aus dem Umland.

An diesen Schulen dürfen Kinder mitbestimmen, das ist Basisdemokratie mit den Kleinsten. Es gibt Kinderkonferenzen, eine Art Schülervertretung, an denen alle Klassensprecher teilnehmen, die einzelnen Klassen treffen sich zum Klassenrat. Es geht um Konflikte in der Gruppe, Schulhofgestaltung, aber auch um Toilettenregeln.

Die Vernetzung der Kinderechte-Grundschulen ist für Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ein wichtiges politisches Ziel. Demokratie könne nicht früh genug gelernt werden, sagte er zur Eröffnung der Kinderkonferenz im Landtag. „Im Klassenzimmer wird geredet und gestritten, das ist nicht viel anders als im Parlament.“ Demokratie falle nicht vom Himmel und sei mehr, als alle vier oder fünf Jahre zur Wahl zu gehen und irgendwo sein Kreuz zu machen, sagte der Minister. Landtagspräsidentin Gabriele Andretta forderte die Kinder auf, mitzubestimmen und mitzumachen, nicht nur bei den Diskussionen während der Kinderkonferenz, sondern generell.

Initiator war das Netzwerk Demokratie von Anfang an in Kooperation mit der Regionalen Kinderkonferenz Hannover. „Wir machen das schon seit 1994“, sagte Behir Buhut, Sozialarbeiter an der Regenbogenschule in Seelze, „schön, dass wir jetzt endlich eine landesweite Kinderkonferenz haben.“

In den Workshops ging es um Themen wie Freiheit und Kinderrechte, aber auch um Inklusion, Toleranz und Umweltschutz. Die Kinder diskutierten unter sich, Lehrer blieben dabei außen vor. Im Plenum wurden anschließend die wichtigsten Forderungen vorgetragen. In der Gruppe, die sich um Klimaschutz kümmerte, waren Plastik- und Müllvermeidung, aber genügend Raum für Tiere und Pflanzen die Favoriten.

Lehrerin Andrea Franke-Böckmann von der Grundschule Klint in Braunschweig wünscht sich, dass Demokratiebildung ein echtes Unterrichtsfach an den Grundschulen wird. „Wir brauchen dafür Zeit“, sagt die 46-Jährige. Elke Rüffer (58) von der Adolf-Grimme-Schule in Barsinghausen unterstützt diese Forderung: „Ich mache die Kinderkonferenz in der Pause, anders geht es nicht, Unterricht darf dafür ja nicht ausfallen.“ Wenn das Thema so wichtig sei, müsse das Land dem auch im Lehrplan den gebührenden Platz einräumen, meinen die Pädagoginnen.

Die Kinder wünschten sich keine utopischen Sachen wie eine Woche Unterrichtsausfall, sondern hätten konkrete Anliegen wie Abhilfe schaffen, wenn der Sportunterricht ausfällt, die Toiletten verschmutzt werden, sich Familien den Klassenausflug nicht leisten könnten oder auf dem Schulhof zu viel Beton sei.

10.09.2019 (HAZ) „Grundschuleltern wollen Kontinuität“

Hannover. Klassen, die plötzlich geteilt werden müssen, ein Mathematiklehrerwechsel nach ein paar Monaten, verbindliche Nachmittagsangebote, die kurzfristig abgesagt werden müssen – der von der Bertelsmann Stiftung prognostizierte dramatische Lehrermangel sei in den Grundschulen längst angekommen, sagt Landeselternratsvorsitzender Mike Finke. „Eltern wünschen sich Kontinuität, doch an der hapert es oft, weil die Lehrer fehlen.“ Es seien kreative, flexible Lösungen gefragt, um kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Finke wirbt dafür, dass sich die Schulen auch Nichtlehrern öffnen. So könnten etwa Museumspädagogen oder Waldpädagogen, unterstützt von Grundschullehrern, auch an außerschulischen Lernorten Kindern Wissenswertes vermitteln.

Auch Eltern seien bereit, sich zu engagieren, sagt Finke. „Eltern wollen keinen Kuchen backen oder Kaffee ausschenken, mit dieser Rolle geben sie sich schon lange nicht mehr zufrieden.“ Er nennt Beispiele aus Gifhorn und Salzgitter, wo Grundschuleltern als Pausenaufsichten oder beim Lesenlernen helfen. Es gebe auch Eltern, die Klassen mit zum Schwimmunterricht begleiteten, um den Kindern hinterher die Haare zu föhnen. „Das ist ja nun wirklich keine Lehreraufgabe.“

Den dramatischen Pädagogenmangel können Schulleiter in der Region Hannover bislang nicht bestätigen. Die Unterrichtsversorgung sei eigentlich gut, heißt es. Da Grundschulen laut Schulgesetz verlässlich sind und Kinder täglich zwischen 8 und 13 Uhr betreuen müssen, würden Eltern Unterrichtsausfall oft gar nicht wirklich mitbekommen, heißt es vonseiten des Stadtelternrates. Da springe für die erkrankte Lehrerin dann eben ein pädagogischer Mitarbeiter ein oder da werde der Musikunterricht eben nicht von ausgebildeten Musiklehrern erteilt.

Frank Post, Rektor der Grundschule Fuhsestraße, warnt davor, Lücken an Grundschulen zunehmend mit Quereinsteigern oder Gymnasiallehrkräften zu füllen, denn diese seien für die Arbeit mit Erst- bis Viertklässlern nicht ausgebildet. Laura Pooth, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, spricht gar von „Grundschulen ohne Grundschullehrer“. Niedersachsen müsse die Bezahlung von Grund-, Haupt- und Realschullehrern endlich auf das Niveau der anderen Schulformen anheben. Auch Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte fordert die schnelle Höherstufung auf A 13. Eine Dorflehrerprämie, wie sie Kultusminister Grant Hendrik Tonne in fünf Modellregionen einführen will, sei rechtlich unsicher und für Nachwuchskräfte nicht attraktiv.

08.03.2019 (HAZ) Kehrtwende bei Schulsozialarbeit

Stadt nimmt geplante Streichungen nach Protest zurück / An Problemschulen sollten Stellen wegfallen

An fünf Problemschulen in Hannover sollten nach der Planung der Stadt Sozialarbeiterstellen gestrichen werden. Doch nach massivem Protest der Schulen sowie von Eltern, Gewerkschaften und Politikern rückt die Verwaltung von dem Plan ab. „Wir haben uns von den vorgebrachten Argumenten überzeugen lassen“, sagt Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski gegenüber der HAZ. Die 340 000 Euro, die man entgegen der Planung nun doch für die Sozialarbeiter bereitstellen muss, sollen jetzt anderweitig eingespart werden.

2015 hatte der Rat der Stadt Hannover beschlossen, dass die Verwaltung im Rahmen der Haushaltskonsolidierung Personalkosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro einsparen soll. Das habe natürlich auch für den Fachbereich Jugend und Familie gegolten, sagt Rzyski. Man sei der Meinung gewesen, dass die Stadt an den Schulen, an denen bereits Schulsozialarbeiter im Landesdienst tätig seien, ihre Mitarbeiter abziehen könne. Man habe aber eingesehen, dass Sozialarbeiter der Stadt und die im Landesdienst zwei getrennte Stränge seien und unterschiedliche Aufgaben übernähmen. Die kommunalen Sozialarbeiter kümmerten sich eher um Lebensstrategien und begleiteten Kinder im Heranwachsen, während die Landessozialarbeiter vor allem die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht im Blick hätten.

Laut Plan hätten an den Grundschulen Alemannstaße (Vahrenwald), Beuthener Straße (Mittelfeld), Fichteschule (Hainholz), Fuh- sestraße (Leinhausen) und Am Stöckener Bach (Stöcken) die Sozialarbeiterstellen gestrichen werden sollen.

Die Grundschuleltern reagierten zunächst schockiert auf die Sparpläne: „Das hat uns sehr getroffen“, sagt Martin Tunaj, Schulelternratsvorsitzender an der Grundschule Fuhsestraße. In ihrer siebenjährigen Tätigkeit habe die städtische Schulsozialarbeiterin sehr viel Vertrauen aufgebaut, das wirke bis in den Stadtteil hinein. Auch Carsten Rühe, Elternvertreter im Schulvorstand der Fichteschule, betont: „Die Arbeit des Schulsozialarbeiters hört nicht am Schultor auf.“Es sei ganz viel Kommunikation und Beziehungsarbeit mit den Kindern und Eltern. Auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kam erst scharfe Kritik. Der Bildungsbereich müsse vom Spardiktat ausgenommen werden, fordert GEW-Kreisvorsitzender Harald Haupt.

Schulpolitiker aus allen Parteien sind sich einig, dass die Schulen in ärmeren Stadtteilen weiterhin auch auf städtische Sozialarbeiter angewiesen sind.

25.09.2018 (NP) Plan für Ganztagsbetreuung

HANNOVER. Das Betreuungsangebot für Grundschulkinder in den Ganztagsschulen bündeln, die schulergänzende Betreuung wie Horte zurückfahren: Das ist das Ziel der sogenannten Qualitätsoffensive bei der Kinder-Grundschulbetreuung, wie sie die Stadtverwaltung für Hannover gern einführen möchte – auf Be­schluss von Rot-Grün aus dem Jahr 2015.

Doch mit der konkreten Umsetzung dauert es noch, ein gestern im Jugendhilfeausschuss vorgelegter Stufenplan, wann und wie das Betreuungsangebot an Grundschulen umgewandelt wird, wurde von der Gruppe Piraten/Linke in die Fraktion gezogen – Beratungsbedarf. Der Plan kann jetzt frühestens in vier Wochen verabschiedet werden.

Das Konzept sieht vor, die vorhandenen außerschulischen Betreuungsangebote zunächst an bereits bestehenden Ganztagsgrundschulen im Sinne der Qualitätsoffensive am Standort zu bündeln. In einem zweiten Schritt sind dann frühzeitige Planungsgespräche mit den Grundschulen geplant, die beabsichtigen, in die Ganztagsbetreuung zu gehen, und be­reits außerschulische Ange­bote vorhalten.

Laut Verwaltung sind in 16 Ganztagsgrundschulen 25 außerschulische Gruppen mit 484 Plätzen untergebracht. Der jährliche Aufwand durch die Stadt für die Betriebsführung beläuft sich auf knapp 1,7 Millionen Euro. Mittelfristig plant die Stadt ab 2020 die bauliche Umsetzung von sieben weiteren Ganztagsschulen. Dort gibt es zurzeit 19 außerschulische Gruppen mit 364 Plätzen. Hier zahlt die Stadt jährlich gut 1,12 Millionen Euro für die Betriebsführung.

Seit 2016 läuft bereits die Umwandlung von Hortplätzen zugunsten von Krippen-und Kindergartenplätzen. Einschließlich der bekannten Planungen will die Stadt bis Ende 2019 aus 428 Hortplätzen 157 Krippen- und 124 Kindergartenplätze gemacht haben. Die Verwaltung rechnet dadurch mit tatsächlichen und fiktiven Einsparungen von mehr als zwölf Millionen Euro.

30.08.2018 (NP) Er ist einer der wenigen Grundschullehrer in Hannover

Erst langsam ändert sich was: Seit Jahren liegen die Zahlen der männlichen Erzieher und Grundschullehrer deutlich hinter den Zahlen der Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen zurück. Waren es im Schuljahr 2013/14 noch 2014 Männer gewesen, stieg die Zahl zum Schuljahr 2017/18 auf 2135 an. Da die Zahl der Lehrer insgesamt stieg, blieb der Anteil der Männer in den Kollegien allerdings bei 10,2 Prozent.

Einer von ihnen ist Jakob Germer. Der 30-Jährige ist Klassenlehrer an der Grundschule Fuhsestraße in Stöcken. Neben ihm gibt es 21 Lehrerinnen und vier weitere Männer: den Schulleiter, einen Sonderpädagogen, den Hausmeister und einen Lehrer in Teilzeit. Dass Germer mal in einer Grundschule unterrichten würde, war nicht immer klar: „Eigentlich wollte ich Sport und etwas Technisches miteinander verbinden.“ Dann verletzte er sich und konnte den Wunschstudiengang nicht belegen. So kam der Lehrerberuf ins Spiel.

Mit Kindern hatte Germer immer gern gearbeitet, er hatte früher Nachhilfe gegeben: „Ich habe Lehramt auf Realschule studiert, mich hat aber auch das Grundschullehramt immer interessiert.“ Eine Kampagne für männliche Grundschullehrer an der Uni brachte dann die Entscheidung, während des Studiums in das Grundschullehramt zu wechseln.

Germer hatte früher selber einen männlichen Grundschullehrer: „Ich fand das gut. Das Rollenverständnis wandelt sich. Immer mehr Väter gehen in Elternzeit. Aber es gibt auch viele alleinerziehende Mütter. Für Kinder ist es wichtig, dass auch Männer eine erzieherische Rolle spielen.“ Die Kinder merken, dass ein Mann nicht typisch an der Schule ist: „Sie wollen dann manchmal ihre Muckis zeigen oder Kräfte messen. Das würden sie bei einer Lehrerin wahrscheinlich weniger machen.“

Oft wird der Lehrer ge­fragt, ob er mit Fußball spielen würde: „Das mache ich eher selten, da ich in der Pause entweder für die Aufsicht verantwortlich oder im Lehrerzimmer bin.“ Und im Sportunterricht? „Da geht es primär darum, den Kindern andere Sportarten bekannt zu machen.“ Negative Erfahrungen hat er in seiner Berufslaufbahn nicht gemacht. Eher im Gegenteil: „Ich wurde nie mit irgendwelchen Vorurteilen konfrontiert. Die Mütter haben vollkommen normal auf meine Anstellung reagiert. Und auch das Kollegium hat sich gefreut.“

Trotzdem wünscht er sich mehr männliche Kollegen an der Schule. Das dürfe aber nicht zwanghaft geschehen, betont Germer. Das Problem der mangelnden männlichen Kollegen sieht er vor allem im finanziellen Aspekt: „Viele Männer wollen Karriere ma­chen oder bringen auch heute noch das Geld allein nach Hause. Da ist der Job als Grundschullehrer finanziell gesehen nicht sehr attraktiv“, weiß er. Für ihn sei es dagegen vor allem wichtig, dass er Spaß an seinem Beruf hat. Und den habe er.